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Teil 6 – Shakespeare & Jagd‑Sprache

In den dänischen Quellen zu den großen Hunden tauchen irgendwann Namen auf, die man nicht mehr nur in Kirchenregistern oder Gesetzestexten erwartet, sondern auf dem Theater: Shakespeare zum Beispiel. Verasir macht an einer Stelle darauf aufmerksam, dass im Hamlet‑Text eine kleine, aber sehr sprechende Zeile steckt, in der „dänische Hunde“ genannt werden – und zwar nicht als liebe Kuscheltiere, sondern als Bild aus der Jagdsprache.

you false Danish dogs

Die Szene steht in Hamlet, Akt 4, Szene 5. Die Königin Gertrude beschreibt, wie das Volk Laertes hinterherläuft, aufgewühlt von Gerüchten und Halbwahrheiten. In der englischen Originalfassung ruft sie: „How cheerfully on the false trail they cry! / Oh, this is counter, you false Danish dogs!“ Die Menge wird hier mit Jagdhunden verglichen, die begeistert einer falschen Spur folgen. „Counter“ ist ein Fachwort aus der Jagdsprache – wenn Hunde die Spur in der falschen Richtung aufnehmen, also zurück auf den Weg, den das Wild schon hinter sich gelassen hat.

Hamlet, Akt 4, Szene 5

http://www.william-shakespeare.de/hamlet/hamlet4_5.htm

Online kann der gesamte Text perfekt nachgelesen werden. Macht Freude, wenn man zu viel Zeit hat!

„KÖNIGIN
Sie schlagen lustig an auf falscher Fährte.
Verkehrt gespürt, ihr falschen Dänenhunde!“
Lärm hinter der Szene.

Shakespeare

Spannend bleibe dass Shakespeare diese Hunde ganz ausdrücklich „Danish dogs“ nennt. Das passt zeitlich genau in die Phase, in der dänische Großhunde als spezielle, exportierte Jagdhunde wahrgenommen werden – dieselbe Zeit, in der Henry, Prince of Wales, und Anna von Dänemark mit großen Hunden in Jagdszenen gemalt werden. Verasir weist darauf hin, dass die Zeile mit den „Danish dogs“ wahrscheinlich um 1604 hinzugefügt wurde, also in einer Phase, in der Shakespeare und sein Publikum sehr genau wussten, wovon sie sprechen: Dänemark, Hunde, Jagd, höfische Politik – alles greift ineinander.

Für unsere Hundegeschichte ist diese kleine Theaterstelle deshalb interessant, weil sie zeigt, wie fest der „dänische Hund“ als Bild im Kopf war. Shakespeare benutzt ihn, ohne ihn erklären zu müssen. Sein Publikum versteht, dass er von jagenden, laut arbeitenden Hunden spricht – und dass „false Danish dogs“ keine Liebkosung, sondern ein spitzer Kommentar ist. Hier wird der dänische Großhund nicht beschrieben oder definiert, sondern vorausgesetzt. Genau das macht den Satz so wertvoll: Er ist ein zufälliger Beleg dafür, dass „Danish dogs“ um 1600 so bekannt waren, dass man mit ihnen auf der Bühne spielen konnte.