Fokus: Mittelalterliche/neuzeitliche Gesetze, „Laalands Vilkaar“, königliche Verordnungen), wer Hunde halten durfte und warum Bauern eingeschränkt wurden.
Laalands Vilkaar
Einstieg: Wenn der Hund zum Rechtsfall wird
In den Fresken haben wir die großen Jagdhunde an den Wänden der Kirchen gesehen – elegant, schnell und eindeutig der Oberschicht zugeordnet. Parallel dazu tauchen dieselben „großen Hunde“ in einer ganz anderen Quelle auf: in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesetzen, Verordnungen und Klosterregeln.
Dort geht es plötzlich nicht mehr um schöne Jagdszenen, sondern um Grenzen: Wer darf welche Hunde halten, und ab wann werden große Hunde für Bauern und Bürger zum Problemfall?
Große Hunde in den Gesetzen: Laalands Vilkaar
Ein oft zitierter Text ist „Laalands Vilkaar“ (Lollands Vilkår) aus dem Jahr 1446, eine Bestimmung für die Insel Lolland. Darin wird unter anderem festgelegt, dass Bauern nur eine begrenzte Zahl von Hunden halten dürfen und nicht mit bestimmten Jagdhundetypen – etwa schnellen „Myndehunden“ – auf die Jagd gehen sollen.
Die Verasir‑Reihe hebt hervor, dass hier ausdrücklich „store hunde“ erwähnt werden, also große Hunde, die dem Wild „Hind, Rå oder Hare“ schaden könnten. In einigen Bestimmungen wird sogar verlangt, diese Hunde an einem Bein zu „lemmen“, also zu verstümmeln, damit sie dem Wild keinen Schaden mehr zufügen können. So drastisch das klingt, so deutlich zeigt es: Große Jagdhunde waren auch in bäuerlichen Händen verbreitet – so sehr, dass der Adel regulierend eingreifen wollte.
Warum die Bauern eingeschränkt wurde
Im Hintergrund stand ein klassischer Interessenkonflikt: Der Adel beanspruchte das Jagdrecht auf Hochwild (Hirsch, Reh, Wildschwein) für sich, während Bauern und kleinere Grundbesitzer verständlicherweise ebenfalls jagten – teils aus Notwendigkeit, teils als zusätzliche Einkommensquelle. Große, schnelle Hunde machten es möglich, heimlich und effektiv Wild zu schlagen, was die Bestände gefährdete und das Privileg der Oberschicht unterlief.
Indem Verordnungen wie „Laalands Vilkaar“ die Anzahl der Hunde begrenzten oder bestimmte Hundetypen verboten, sollte dieses Ungleichgewicht korrigiert werden. Die Gesetze sind damit ein indirekter Beweis dafür, dass große Hunde – genau wie in den Fresken – eine wichtige Rolle im Jagdalltag spielten, aber eben nicht nur im königlichen Hundegarten.
Klöster, Dorfkirchen und Hundehaltung
Neben weltlichen Gesetzen spielten auch kirchliche Institutionen und Klöster eine Rolle. Viele Kirchen, in denen wir Jagdszenen finden, gehörten zu größeren kirchlichen Strukturen, und Klöster besaßen oft selbst Jagdrechte und Ländereien.
Klöster konnten Hunde sowohl als Wach‑ als auch als Jagdtiere halten, wobei sie sich zugleich an allgemeine Verordnungen halten mussten. In manchen Ordensregeln wurden übermäßiger Luxus und „unnötige Tiere“ eingeschränkt, während Nutztiere, einschließlich Wachhunden, toleriert oder sogar ausdrücklich erwähnt wurden. Auch hier zeigt sich: Hundehaltung war ein Thema, das bis in den geregelten Alltag der kirchlichen Gemeinschaften hineinreichte.
Vom Rechtstext zum Hundebild
Für die Geschichte der „großen dänischen Hunde“ sind diese Gesetze deshalb spannend, weil sie das Bild aus den Fresken ergänzen. Wo die Malereien uns zeigen, wie die Hunde aussahen und wer sie repräsentativ führte, verraten uns die Rechtstexte, wie verbreitet und konfliktträchtig diese Tiere im Alltag waren.
Die Kombination aus „Hund an der Kirchenwand“ und „Hund im Gesetzestext“ macht deutlich: Wir haben es nicht mit exotischen Einzelfällen zu tun, sondern mit einem etablierten Hundetyp, der die Jagdlandschaft Dänemarks und Norddeutschlands nachhaltig geprägt hat.
Wie ich mit diesen Quellen arbeite
Die Beispiele in diesem Beitrag stammen vor allem aus der dänischen Forschung zu „Laalands Vilkaar“ und verwandten Verordnungen sowie aus der Auswertung bei Verasir. Ich kann die Originaltexte nicht in allen Details wiedergeben, versuche aber, die Kernaussagen verständlich nachzuzeichnen und in Zusammenhang mit der Hundegeschichte zu stellen.
Wenn du dich tiefer einlesen möchtest, lohnt sich ein Blick in historische Zeitschriftenartikel zu „Laalands Vilkaar“ und in Digitalisate der dänischen Archive, in denen alte Gesetzes‑ und Chronikseiten als Faksimile zugänglich sind.
Ausblick: Vom Gesetz zur Parforce‑Jagd
Während Gesetze und Klosterregeln vor allem Grenzen ziehen, öffnet sich in der frühen Neuzeit ein neues Kapitel für die großen Hunde: die Parforce‑Jagd. Dort werden speziell gezüchtete Meuten zum Werkzeug eines regelrechten Schau‑Spektakels, in dem Könige ihre Macht, ihren Mut und ihre Hunde vor Publikum inszenieren.
Im nächsten Teil der Serie schauen wir uns diese Parforce‑Jagd genauer an: Wie sie funktionierte, welche Rolle die Hunde spielten und was das für die Entwicklung der großen „dänischen“ Hundetypen bedeutete.
