Der, die oder das?
Leider verwenden viele Anbieter online den gleichen Namen für eine Funktion ihrer Angebote wie auch für die Berufsbezeichnung der Personen, die man umgangssprachlich als „Designer“ nennt, egal ob sie Mode, Nägel oder Haare gestalten. Und ja, das ist ein echtes Problem.
Design ist eines der wirklich oft missverstandenen Wörter, weil, je nach Kenntnisstand der Person, darunter etwas völlig anderes verstanden wird, als es allgemein ist.
Design als Arbeit möchte ich als eine disziplinierte, methodische Tätigkeit mit funktionalem Anspruch bezeichnen. Im Design geht es selten nur um Werbung, Bilder oder Kommunikation. Design hat höchstens im Vergleich zur Kunst den Anspruch, Probleme zu lösen und funktionale Ergebnisse zu erarbeiten, jedoch immer methodisch nach den Regeln der Wissenschaft.
Es wird nicht aus dem Bauch heraus etwas gezeichnet, Designer:innen müssen auch nicht einmal wirklich zeichnen können. Was sie aber immer tun: forschen, recherchieren, abwägen und sich informieren, dokumentieren, eine Entwicklung dokumentieren und damit auch den ganzen Prozess begründen.
Viele Künstler arbeiten nicht anders, das sei erwähnt.
Ein Problem: Online nennen manche Anbieter das Werkzeug, mit dem man auf der Plattform ein Produkt erstellt, auch „Designer“. Wer auch immer auf diese Bezeichnung gekommen ist, hat sich bestimmt keinen Bärendienst erwiesen. Vermutlich klang es gut: „Jedermann wird zum Designer, wenn man dieses ‚Ding‘ verwendet.“ Habe ich schon erwähnt, dass man auf Zazzle auch künstliche Fingernägel und temporäre Tattoos gestalten kann?!? Den Ex als abwaschbaren Hautaufdruck zur Scheidung tragen und dazu das süßeste Foto der ehemaligen Schwiegermutter… vielleicht?
„Jeder Mensch ist ein Künstler.
Damit sage ich nichts über die Qualität.
Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt.
Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff. (…)
Er ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt.
Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler.“
Joseph Beuys, circa 1972
Mit einem Künstler also, sage ich etwas zum Design. Wenn wir alle unsere Tätigkeiten in dieser Haltung erledigen würden, wäre die Welt sicherlich schöner. In diesem Sinne: Nutzen wir die Möglichkeiten, die es gibt, und entfalten wir uns, soweit möglich.
Oder: Machen wir mit Liebe das, was wir machen, richtig, nicht nur ein wenig, nicht oberflächlich. Lieber ein paar Mal testen. Gestalten ist schön, Skizzieren und Ideen suchen auch. Es ordnet Gedanken. Trauen wir uns, jenseits aller Computer, mit Stift und Papier unsere Hände und unsere Augen weiter zu trainieren.
« Zurück zum Glossar Index