Weniger Motive, mehr Herz: Warum sich mein Spreadshirt-Angebot verändert
Manchmal bedeutet Fortschritt nicht, mehr zu machen. Manchmal bedeutet er, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich habe lange versucht, auf Spreadshirt ein Angebot rund um die Deutsche Dogge aufzubauen und auch nun, kaum zu glauben – über 20 Jahre lang – erhalten. Mit viel Geduld, vielen Motiven und noch mehr Hoffnung. Ich möchte gar nicht daran denken dass ich mal eine einstellige „Shop ID“ hatte. Ja ja, ich bin schon sehr lange dabei, eigentlich seit es Spreadshirt gibt!
Heute, 10.06.2026 ziehe ich einen Schlussstrich.
Nicht komplett, aber fast.
Künftig werden dort nur noch wenige meiner Doggenmotive verfügbar sein: Eine Silhouette, ein Kopf, Dino in seiner einmaligen Art sich aufzubauen. Das war es.
Der Grund ist einfach: Der Aufwand steht für mich in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zum Ergebnis. Viele Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, machen die Arbeit unnötig kompliziert.
Statt weitere Stunden in die Pflege eines Sortiments zu investieren, das kaum Aufmerksamkeit erhält, konzentriere ich mich lieber auf die Projekte, die mir wirklich Freude machen: neue Illustrationen, neue Ideen und Produkte, die besser zu Doggenhaus passen.
Manchmal ist weniger nicht nur mehr. Manchmal ist weniger einfach vernünftiger.
Die verbleibenden Motive bleiben als kleine Erinnerung daran, dass ich es versucht habe. Der Rest darf gehen.
Die Gründe:
Falls hier jemand mitliest, der selbst im POD-Umfeld arbeitet und genauer wissen möchte, warum ich diesen Schritt gehe, fasse ich meine Gründe offen zusammen.
- Das aktuelle Vergütungsmodell berücksichtigt aus meiner Sicht kaum noch den tatsächlichen Aufwand, der entsteht, wenn ein Motiv nicht nur hochgeladen, sondern bewusst entwickelt, gepflegt und langfristig betreut wird.
- Auch die Art, wie Designs auf dem Marktplatz präsentiert werden, ist für mich zunehmend problematisch. Fotos, Zeichnungen, KI-generierte Motive und einfache Textentwürfe stehen oft nahezu gleichwertig nebeneinander. Dadurch wird es für Kunden schwer, gezielt zu finden, was sie eigentlich suchen.
- Hinzu kommt eine Shop- und Backend-Verwaltung, die im Verhältnis zum Ergebnis sehr aufwändig und unnötig umständlich wirkt.
- Viele Veränderungen der letzten Jahre wurden zudem ohne erkennbare Rücksicht auf die Arbeit der beteiligten Designer umgesetzt. Für mich entstand dabei immer stärker der Eindruck, dass die Perspektive kleiner Anbieter kaum noch eine Rolle spielt.
- Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit Kopien und Fälschungen. Seit Jahren gibt es Seiten, die Inhalte automatisiert übernehmen oder nachahmen. Aus meiner Sicht wird dagegen zu wenig unternommen.
- Gleichzeitig wurde die Produktion zunehmend automatisiert, während die Preise gestiegen sind. Auch das ist für mich nur schwer nachvollziehbar.
- Natürlich liegt der Schwerpunkt von Spreadshirt auf Textilien. Genau dort hätte ich mir jedoch mehr Klarheit, bessere Bedienbarkeit und weniger unnötige Hürden gewünscht – sowohl für Kunden als auch für Designer. Wo druckt man denn inzwischen überall?
- Auch Themen wie App, API oder externe Einbindung sind für kleine Nischenprojekte wie meines nur mit erheblichem Aufwand sinnvoll nutzbar. Praktisch spielt das für mich daher kaum noch eine Rolle.
- Ausschlaggebend ist am Ende aber vor allem eines: Meine Motive werden im Umfeld von Spreadshirt und vergleichbaren Kopierseiten immer wieder übernommen oder nachgeahmt. Der Aufwand, dem hinterherzulaufen, steht in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen.
Früher war die Gemeinschaft der Motivdesigner für Spreadshirt eine eigene Kundengruppe. Nicht immer perfekt betreut, aber immerhin sichtbar und beachtet.
Heute habe ich den Eindruck, dass diese Gruppe kaum noch eine Rolle spielt. Großkunden werden bedient, Endkunden werden weiterhin angesprochen, aber die vielen einzelnen Designer, deren Motive über Jahre gut genug waren, um das Angebot mitzutragen, sind zunehmend unwichtig geworden.
Wirtschaftlich kann ich diese Entwicklung nachvollziehen. Konsequenterweise muss ich dann aber ebenfalls nüchtern rechnen.
Eigentlich wäre es naheliegend, mein Angebot dort vollständig zu löschen. Ganz so weit gehe ich im Moment nicht. Für treue Kunden aus Deutschland, die noch einmal ein Shirt mit einer meiner Doggen suchen, bleiben wenige ausgewählte Motive auffindbar.
Mehr wird dort jedoch nicht mehr passieren. Es kommen keine neuen Motive hinzu, und ich werde keine weitere Zeit mehr in den Ausbau dieses Angebots investieren.
Es ist übrigens faszinierend wie lange es dauert, bis man seine Motive löschen kann.
