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Teil 8 – Von der „Store Hund“ zur heutigen Dogge

Wenn man vom „store danske Hund“ in Fresken, Gesetzen und Jagdberichten zu den heutigen Rassestandards blättert, sieht man kein hartes „Vorher/Nachher“, sondern eine lange, verschobene Linie. Die historischen Großhunde waren Jagd‑ und Hofhunde mit klarer Aufgabe: Hetzen, Stellen, Halten, Bewachen.
Die moderne Deutsche Dogge und die heutigen dänischen Mastiff‑Typen tragen Teile dieser Vergangenheit in sich – aber sie sind in ihrer Funktion fast vollständig in der Gegenwart angekommen.

In den Beschreibungen der dänischen Hunde des 18. und 19. Jahrhunderts tauchen schon Formulierungen auf, die an heutige Rassestandard‑Sätze erinnern: groß, hochbeinig, mit kräftigem, aber nicht plumpem Körper, zwischen Mynde und Mastiff stehend. Von dort ist es kein weiter Weg zu den späteren Standardtexten, in denen Größe, Eleganz und Kopfproportionen der Deutschen Dogge festgeschrieben werden, während der jagdliche Gebrauch ganz in den Hintergrund tritt. Historische Texte und Verasir‑Resümee betonen, dass der ursprüngliche Hund leichter war als viele moderne Doggen – die zusätzliche Höhe und Masse des 20. Jahrhunderts gehen auf Fütterung, Lebensweise und einen Show‑Fokus zurück, nicht auf eine jahrhundertealte „Riesenhund‑Tradition“.

Gerade im Vergleich zum Dalmatiner zeigt sich der Rollenwechsel deutlich. Der Dalmatiner ist in der neueren Literatur der klassischere „Kutschenhund“: Er läuft unter oder neben der Kutsche, wird bewusst als Wagenbegleiter geführt und bleibt auch in dieser Funktion bekannt. Sie sind heute entsprechend wenig gefragt oder, ihr Nutzen und ihre Funktion hat sich überholt.
Die dänischen Großhunde sind dagegen zuerst Jagdhunde und Hofhunde, die später neben Kutschen, Schlitten und Herrenhäusern auftauchen. Sie sind Begleiter des Standes, nicht spezialisierte „Coach Dogs“. In den heutigen Standards spiegelt sich das so: Die Dogge wird als Begleit‑ und Familienhund beschrieben, der zwar imponiert, aber nicht mehr jagdlich geführt wird. Extrem wenige Doggen mit einer Jagdprüfung gibt es aber noch. Oder, mir ist schon mal eine abgegeben worden.

Damit schließt sich der Bogen dieser Reihe: Die modernen Deutschen Doggen stehen nicht am Anfang einer sauber definierten Rassegeschichte, sondern am Ende einer langen Bewegung, die bei großen Gebrauchshunden beginnt und über Parforce‑Jagd, Blending, Export‑Hunde, Kutschen‑Begleiter und Theaterbilder zur Salon‑ und Sofavariante führt. Wer heute eine Deutsche Dogge anschaut, sieht im Idealfall nicht nur „Rasse X nach Standard Y“, sondern trägt all diese Schichten mit: den leichten, schnellen „store hund“, den schwerer gewordenen Blending‑Hund, den Export‑Begleiter in englischen Gemälden, die „Danish dogges“ auf der Hamlet‑Bühne – und den sehr realen Sofa‑Hund, der davon nichts weiß, aber alles mitbringt.

Ein Punkt bleibt dabei nüchtern festzuhalten: Als Hunderasse hat dieser Hund heute einen klaren Namen. Er heißt Deutsche Dogge, er wird nach einem festgelegten FCI‑Standard gezüchtet, dessen Hüter in Deutschland der Deutsche Doggen Club ist. Andere Bezeichnungen mögen historisch interessant, gefühlig oder politisch gemeint sein – sie ändern nichts daran, dass wir es züchterisch mit einer definierten Rasse zu tun haben. Wer diese Hunde heute anders nennt, verweist entweder auf eine eigene Lesart oder zeigt, dass er die Herkunft und den aktuellen Rahmen der Dogge nicht wirklich kennt.

Gleichzeitig ist nichts davon in Stein gemeißelt. Zucht ist immer eine Momentaufnahme: Entscheidungen von Menschen, die in Körper eingetragen werden. Wenn sich unsere Vorstellungen von Tierschutz, Gesundheit und Funktion verändern, verändern sich auch unsere Hunde. Es ist gut möglich, dass es neue Linien und Varianten geben wird. Oder auch, dass eines Tages die Dogge, wie wir sie jetzt kennen, nur noch als historische Hunderasse in Büchern und auf Bildern existiert, weil wir die belastenden Extremformen ihrer Zucht nicht mehr verantworten wollen.

„Die Spur der großen Hunde lässt sich ohne Bruch von den alten Zeiten bis heute nachzeichnen – nur der Hund hat sich unterwegs mehrfach sichtbar verändert.“

Das ist gleichzeitig Fazit und Ausblick: Die Geschichte der Dogge ist noch nicht zu Ende; sie schreibt sich weiter, jedes Mal, wenn jemand entscheidet, wie die nächste Generation aussehen soll.

Was heute groß ist, war gestern monströs

Frühmittelalter: Männer waren erstaunlich groß und maßen im Schnitt 1,73 Meter
Hoch- und Spätmittelalter: Durch Klimaverschlechterungen und Hungersnöte sank die Durchschnittsgröße. Ritter und die allgemeine Bevölkerung waren im Spätmittelalter oft nur etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß
17. und 18. Jahrhundert: Den absoluten Tiefpunkt erreichte die Körpergröße im 17. und 18. Jahrhundert mit durchschnittlich etwa 1,67 Metern bei Männern.

Die heutigen Durchschnittswerte von ca. 1,78 m für Männer und 1,66 m für Frauen wurden erst durch den modernen Wohlstand im 20. Jahrhundert erreicht

Zum Vergleich:

  • die langen Kerls von König Friedrich Wilhelm I. waren circa 1,70 Meter groß oder klein. Das Mindestmaß war vorgegeben, es betrug 5 Fuß 6 Zoll = 1,676 m
  • das ändert sich unter der Herrschaft des Sohnes etwas: Die regulären Soldaten unter Friedrich dem Großen (Friedrich II.) waren im Durchschnitt etwa 1,65 m bis 1,72 m groß. Die oft erwähnten „Langen Kerls“ der Potsdamer Riesengarde maßen nun mindestens 1,88 m.

Friedrich II. selbst war deutlich kleiner, seine eigene Körpergröße wird historisch auf etwa 1,62 m geschätzt.

Da es sich bei den historischen Angaben um imperiale Maße (Preußisches Fuß und Zoll) handelte, lassen sich die Größenordnungen wie folgt zusammenfassen:

  • Die „Langen Kerls“ (Riesengarde): Mindestens 6 preußische Fuß (ca. 1,88 m). Das war für das 18. Jahrhundert eine extreme Ausnahme, echte Riesen.
  • Die Garde-Infanterie: Mindestens 5 Fuß und 8 bis 10 Zoll (ca. 1,72 m bis 1,78 m).
  • Die Linien-Infanterie (normale Soldaten): Im Schnitt etwa 5 Fuß und 5 bis 6 Zoll (ca. 1,65 m bis 1,68 m).
  • Kürassiere (Reiterei): Oft etwas größer und kräftiger gebaut, um das schwere Pferd zu kontrollieren.

Was sich dabei ablesen lässt: ein großer Hund von damals war ganz schön klein, zu heute. Zahlreiche Quellen werden notwendig um sich hier tiefer einzulesen. Sind aber alle durchaus spannend, falls die Zeit es zulässt.

Was am Ende wirklich übrig bleiben muss: DEUTSCHE DOGGE, das ist die einzige Bezeichnung für die aktuelle Hunderasse, wie wir sie kennen.