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Teil 5 – Export‑Hit

Die großen dänischen Hunde bleiben nicht zu Hause. Im späten 1500er und frühen 1600er‑Jahrhundert tauchen sie an einem Ort auf, an dem man auf den ersten Blick eher an englische Jagdhunde denken würde: am Hof von James I. in England, an der Seite von Anna von Dänemark und Henry, Prince of Wales. In den Verasir‑Texten wird dieser Export ganz ausdrücklich erwähnt – die „danske hunde“ gehen als Geschenke, Statussymbole und Jagdhunde über die Nordsee und landen mitten in der englischen Hofmalerei.

Henry Frederick (Prince of Wales) im Jagdfeld, mit großen Hunden an seiner Seite – dänische Hunde als Export‑Hit im englischen Hofjagd‑Bild.
Henry Frederick (Prince of Wales) im Jagdfeld, mit großen Hunden an seiner Seite – dänische Hunde als Export‑Hit im englischen Hofjagd‑Bild.

Ein Beispiel, das Verasir hervorhebt, ist das Gemälde „Henry Prince of Wales on the Hunting Field“ von Robert Peake, das in zwei Fassungen um 1603–1606 entstanden ist. Der junge Prinz steht oder sitzt im Jagdkontext, umgeben von Pferden, Jagdgerät und Hunden. Genau dort lassen sich Hunde erkennen, die in Größe und Typus auffallen: hochbeinig, großrahmig, mit deutlich mehr Masse als ein reiner Windhund, zugleich aber sehr viel eleganter als ein schwerer Mastiff. Für Verasir sind sie Teil desselben Hundetyps, der in Dänemark als großer Jagdhund gezüchtet und dann als Geschenk an den englischen Hof abgegeben wurde.

Auch Anna von Dänemark, die Gemahlin von James I., wird in der Kunstliteratur mehrfach mit Hunden gezeigt. Besonders interessant ist das Jagdporträt von Paul van Somer: „Anne of Denmark“ in Jagdkleidung mit Hunden. Die Königin trägt Reit‑ und Jagdkleidung, hinter oder neben ihr stehen große Hunde, die als Teil ihres höfischen Auftritts inszeniert sind. In der ikonographischen Literatur wird das Bild gerne als Beispiel für die Rolle der Jagd im Selbstbild des Hofes zitiert – Verasir liest hier zusätzlich die Spur der dänischen Hunde mit: Die Königin bringt nicht nur neue Mode und einen anderen Stil an den englischen Hof, sondern auch ihren Hundetyp.

Für die dänischen Hunde bedeutet dieser Export zweierlei. Zum einen werden sie sichtbarer, weil sie auf englischen Gemälden und in englischen Texten auftauchen. Zum anderen verstärkt sich damit der Eindruck eines „dänischen Großhundes“ als etwas Eigenständiges: nicht nur ein Jagdhund unter vielen, sondern ein Typ, der sich gut als Geschenk eignet und in der Bildsprache der Macht funktioniert. Wenn Verasir also von dänischen Hunden als Export‑Hit spricht, ist das nicht nur eine nette Formulierung, sondern eine Beobachtung: Diese Hunde wandern zusammen mit ihren Menschen, ihren Ehen und ihren Allianzen – und sie bleiben in den Bildern hängen, die diese Allianzen zeigen.

Anne of Denmark in Jagdkleidung mit ihren Hunden
Paul van Somer – eine dänische Königin, die Mode, Politik und große Hunde nach England mitbringt.