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Teil 4 – Vom Mynde zur Dogge: Die „Blendinge“

In den Quellen zur dänischen Jagd taucht immer wieder derselbe Konflikt auf: Der heimische „store hund“ in der myndeartigen Variante ist schnell, mutig und hart im Nehmen – aber irgendwann reicht er für das neue Jagdformat nicht mehr. In der Parforce‑Jagd soll das Wild gehetzt, gestellt und gehalten werden, bis der König oder Jagdherr mit dem Hirschfänger da ist. Es soll nicht einfach totgebissen in der Hecke liegen, bevor der Hofstaat überhaupt angekommen ist. Genau hier beginnt die Suche nach einem Hund, der zwischen Mynde und Mastiff steht.

Die Lösung der damaligen Züchter ist so schlicht wie konsequent: Wenn der vorhandene Hundetyp zu wenig Masse hat, holt man sich die Masse von außen. In Verasir wird beschrieben, wie mastiffartige Hunde aus England importiert werden, um Gewicht und Substanz in die dänischen Hunde hineinzubringen. Viggo Møller fasst das später so zusammen: Die Rasse sei durch Kreuzung von Mastiff und Mynde entstanden, und ihr Körperbau stehe genau zwischen diesen beiden Typen. In den Jagdprotokollen taucht dafür das Wort „Blending“ auf – eine Mischung, die so genannt wird, weil jeder Beteiligte wusste, dass hier bewusst gekreuzt wurde.

Diese „Blendinge“ sind keine Rasse im modernen Sinn, sondern ein Funktionsprodukt. Sie sollen schnell genug sein, um mit der Meute zu laufen, aber schwer genug, um ein Stück Hochwild unter Kontrolle zu halten, ohne es sofort zu töten. In den Beschreibungen ist von mehr „masse“ und „vægtfylde“ die Rede: kräftigerer Körper, mehr Knochen, ein schwererer Kopf, ohne in einen plumpen Molosser zu kippen. Man erkennt noch die Silhouette des Mynde‑Hundes, aber sie ist verdichtet, verdickt, in Richtung Dogge verschoben.

Schaut man sich die überlieferten Bilder aus dieser Zeit an – königliche Jagdszenen, Parforce‑Kupferstiche, Reiterporträts mit Hunden – passt das erstaunlich gut zu den Texten. Neben schlankeren Hetzhunden stehen größere, kräftigere Hunde, die deutlich aus dem Rahmen fallen. Sie sind hochbeinig, aber nicht mehr leicht, haben mehr Brust, mehr Kopf, mehr Präsenz. In Verbindung mit den schriftlichen Quellen ergibt sich so ein Bild der „Blendinge“ als Übergang: vom rein myndeartigen dänischen Jagdhund hin zu einem Großhund‑Typ, der im Rückblick wie eine Vorstufe der späteren Doggen wirkt, ohne dass die Menschen damals schon in Rasse‑Standards dachten.

Schnelle Drucksachen für Doggenfreunde